Von:
Susanne Breit-Keßler

e-eros.de

Die "schönste Nebensache der Welt" findet gleich auf den ersten Seiten der Bibel statt. In paradiesischer Unbefangenheit begegnen sich Mann und Frau so, wie Gott sie geschaffen hat: "Sie waren beide nackt, der Mensch und sein Weib, und schämten sich nicht". Schamlos sind Adam und Eva, weil es nichts gibt, weswegen der Mensch sich zu schämen hätte - schon gar nicht seines männlichen oder weiblichen Geschlechts. Der alttestamentlichen Darstellung von Eros und Sexualität sind verteufelnde Verkrampfungen so fremd wie sklavische Unterwerfung unter Lust und Liebe.

An der Naturgewalt der gegenseitigen Attraktion ist nicht zu rütteln. In der Bibel steht einfach da, welch unaufhaltsame Wucht die Leidenschaft von Mann und Frau in sich trägt.

Nicht einmal das Elternhaus hat so viel Anziehungskraft wie der oder die Geliebte, denn "darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden sein ein Fleisch". Was in der Wissenschaft mit dem nüchtern-schlichten Begriff "Trieb" belegt wird, "dessen Befriedigung eine wesentliche Bedingung für die physische und geistige Gesundheit ist", wie der Sozialdemokrat August Bebel unromantisch schrieb - das erfährt am Anfang der Bibel positive Würdigung.

Mann und Frau werden ermuntert, ihre Verschiedenheit zu verwirklichen. Sie sollen sich nicht gleichgültig sein, sondern sich in ihrer bleibenden Individualität zu einem neuen Ganzen ergänzen: Miteinander reden und schweigen, gemeinsam handeln und sich helfen, zusammen in Bewegung kommen - mit Geist und Körper.

Das Entzücken Adams im Angesicht von Eva, milliardenfach von Alten und Jungen, von Menschen mit und ohne Behinderung wiederholt, entspricht dem, was (Tat-)Sache ist. Er und sie werden mit dem und der jeweilig anderen zu einem ganzheitlichen Ich, weil es ein Du gibt.

Zum Einswerden gehört das Neugierige, Behutsame, Tastende ebenso hinzu wie wilde Leidenschaft und Ekstase, das 'aus sich heraustreten' - im Vertrauen darauf, sich im Partner, der Partnerin deshalb wieder zu finden, weil man sich an ihn, an sie hingegeben, in einem Augenblick der Unendlichkeit verloren hat.